Brexit

Brexit: Was hat die Versicherungsbranche zu befürchten?

Die Briten haben mehrheitlich für einen EU-Austritt gestimmt. Betroffen vom Brexit ist auch die Versicherungsbranche. Deutsche Verbraucher sind verunsichert. Von übereilten Entscheidungen raten Finanzexperten in diesen Stunden ab.

Wichtig ist jetzt, dass sich die Finanzmärkte stabilisieren, orientieren und gegebenenfalls neu aufstellen. Es kann davon ausgegangen werden, dass kurzfristig das europäische Wirtschaftswachstum leiden wird, wenn auch im geringeren Umfang, als es die augenblickliche Panik vermittelt.

Führt Brexit in die Euro-Krise?

Sollten durch den Brexit Investoren letztes Vertrauen in den Zusammenhalt der EU-Mitgliedsstaaten verlieren, könnte sich die Krise des britischen Pfund zu einer Euro-Krise entwickeln.

Um Großbritannien selbst sollte man sich hingegen weniger Sorgen machen. Prophezeiungen über den Niedergang des Königreichs sind maßlos übertrieben. Die größten Veränderungen wird es für die Finanz- und Versicherungsbranche geben, die ihre Produkte jetzt nicht mehr so einfach grenzüberschreitend vertreiben kann.

Jetzt heißt es: Scherben aufkehren

Der größte Versicherer Europas, die Allianz, hofft trotz der Entscheidung des britischen Volkes auf eine weiterhin enge Zusammenarbeit zwischen Inselstaat und dem europäischen Staatenbund. Sorgen macht sich der Versicherer keine. Negative Auswirkungen werden nicht befürchtet, da die Anlagestrategie des Konzerns langfristig geplant wird.

„Mittel- bis langfristig erwarten wir bilaterale Vereinbarungen zwischen Großbritannien und der EU für beständige und erfolgreiche Beziehungen“, erklärte ein Sprecher des Münchener Dax-Konzerns am Freitag. Da die Kunden des Versicherers sich auf breit gestreute Investitionen verlassen können, würden kurzfristige Marktturbulenzen die Finanzanlagen nur unwesentlich treffen. „Wir bekennen uns weiterhin zu dem britischen Markt und unseren Kunden im Vereinigten Königreich“, so der Sprecher der Allianz.

Michael Menhart, Chefökonom des weltgrößten Rückversicherers Munic Re, reagierte hingegen bestürzt auf das Votum der Briten: “Die Entscheidung des britischen Volkes ist ein schwerer Schlag für die EU. Sie wird die Konjunktur vor allem in Großbritannien stark belasten”, sagte Menhart in einer ersten Reaktion.

Brexit als „Weckruf“ verstehen

Der Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) appellierte hingegen an die Politik, den Brexit als „Weckruf“ zu verstehen. Dr. Alexander Erdland, Präsident der GDV, rief am Freitag dazu auf, nicht in eine Art Schockstarre zu verfallen. „Jetzt gilt es, Reformen mutig voranzutreiben, die Europa zu neuer wirtschaftlicher Prosperität und politischer Stabilität führen.”

Mit Blick auf den inneren Zusammenhalt und die schnell wachsenden Regionen außerhalb Europas muss die Wettbewerbsfähigkeit nun endlich gestärkt werden. Dazu gehöre auch, dass die europäischen Institutionen reformiert werden und der „vielfach überbordende“ Regulierungseifer endlich beendet werde. “Wenn alle Menschen von der EU begeistert sein sollen, dann müssen sie die Vorteile stärker spüren, die ein vereintes Europa in der Welt hat”, so der GDV-Präsident. Bleibt abzuwarten, welche Impulse nach dem Brexit nun von Angela Merkel umgesetzt werden.

Britische Versicherer unvorbereitet

Sollten deutsche Verbraucher ihre Verträge bei britischen Gesellschaften nun kündigen? Wie sicher sind britische Anlagen noch? Wir haben bei den betroffenen Versicherern nachgefragt und waren erstaunt, wie unvorbereitet diese größtenteils waren.

Mit dem Brexit hat auf Seiten der Versicherer offenbar kaum jemand gerechnet. Teilweise waren die Pressesprecher nicht erreichbar oder im Urlaub – und für Vertretung war nicht gesorgt. Diejenigen, die schnell reagiert haben, wollten sich zu der aktuellen Situation nicht äußern oder brachten schwammigen Aussagen hervor. Herr Hauck, von der Clerical Medical hat auf telefonische Nachfrage gesagt: „Es ist nun die Politik in England gefragt, nicht die Finanzbranche. Zudem wird es ein zweites Abstimmungsverfahren geben gegen Brexit. Es kann ja auch noch sein, dass der neue Premier sagt, ihn gebe es nur ohne Brexit.“

Direkt betroffen sind folgende Versicherer:

  • Hiscox
  • Liberty Europe
  • Standard Life
  • Clerical Medical – Heidelberger Leben
  • Friends provident – Cardea.life (Prismalife)
  • LLoyds
  • Sali
  • MGM
  • Legal&General
  • Royal London

Für diese Versicherer stellt sich in den nächsten 2 Jahren die Frage, ob diese…

  • … Bestand und/oder Neugeschäft in Deutschland aufgeben
  • … Sie eine Unternehmenstochter in Deutschland gründen
  • … eine Verhandlungslösung zwischen Deutschland oder der EU und Großbritannien getroffen werden wird.

Englad out

Quelle: http://www.provision-online.de/brexit-was-hat-die-versicherungsbranche-zu-befuerchten-6562.html

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